Weinhandel

Anbauregionen in Osteuropa

Ungarn

Ungarn ist gut 90.000 Hektar als Weinland etwas kleiner als Deutschland. In 20 Anbaugebieten werden rund 3,5 Mio. hl Wein produziert. Entscheidend für den ungarischen Weinbau sind - wen würde es überraschen?- die Gewässer. Allen voran die Donau, die das Land fast genau in der Mitte von Nord nach Süd in zwei Hälften teilt. Entlang der Donau und ihrer Nebenflüsse, dem Plattensee (Balaton) und dem Neusiedlersee im Westen entsteht ein Großteil der ungarischen Tropfen. Einzige Ausnahme: der berühmte Tokajer-Süßwein im äußersten Nordosten des Landes. Dieser Süßwein war eines der Lieblingsgetränke am französischen Hof zu Zeiten, als von den vielen Louis noch der Lifestyle für den europäischen Adel vorgegeben wurde. Bereits 1707 führte Ungarn die erste umfssende Weinklassifizierung der Welt ein. Aber nach der Reblauskatastrophe und in Zeiten der kommunistischen Herrschaft war es nicht mehr weit her mit den ungarischen Weinen. Erst seit rund 20 Jahren hält hier wieder hohe Qualität ihren Einzug, und das wegen der Nähe zum Westen schneller als in den weiter östlich gelegenen Staaten. Insbesondere aus Österreich kommt viel Geld und Know-how. Ungarn liegt etwa auf Höhe der Burgund, hat aber ein kontinentales und viel wärmeres Klima. Diese Kombination sorgt für großartige Ergebnisse bei aromatischen Trauben wie Sauvignon oder Muskat Ottonel, aber bringt eben auch spätreifende Sorten sicher zur Reife. Neben den großen Rebsortestars wie Cabernet oder Chardonnay wird in Ungarn viel Autochthones angebaut, die wichtgsten einheimischen Rebsorten sind der Veltini (Grüner Veltliner), die Tokajer-Rebsorte Furmint und der Hárslevelü für Weiße, Kadarka und Kékfrankos (Blaufränkisch) für Rote. Dass die Ungarn großartigen Wein keltern, ist kein Geheimnis mehr. Und so steigt die Exportquote von Jahr zu Jahr. Ein klein bisschen wollen auch wir dazu beitragen...

Winzer

Weingut Ferenc Toth, Eger

Édes Lányom? ? ?Meine süße Tochter? hat Ference Tóth eine Spätlese getauft. Gewidmet ist sie Katalin, die im Familienverband mit ihm und seiner Frau das Egri Borvár Ferenc Tóth betreibt. Die Sorte ist Leányka, also die Mädchentraube, ein an sich frischer, fruchtiger Weißwein, der sich aber bei entsprechender Reife durchaus für einen Prädikatswein eignet. Farbe und Design des Etiketts wurden so geschmackvoll, oder besser, liebevoll auf den Inhalt abgestimmt, dass ?Meine süße Tochter? 2009 bei einem internationalen Wettbewerb unter den Top 10 der schönsten Etiketten rangierte.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer schöner Preise und Anerkennungen für das Egri Borvár Ferenc Tóth. Als größten Erfolg seines Lebens dürfte der alte Herr aber zweifellos sein wiedergewonnenes Dasein als Winzer empfinden. Schon seine Ururgroßeltern hatten in Eger Wein gemacht. Ferenc selbst war noch ein junger Mann, als die Kommunisten die Weingärten enteigneten. 1953 waren es ein nur paar, 1960 wurde alles weggenommen. Die nunmehr besitzlosen Winzer hatten sich nach völlig fremden Beschäftigungen umsehen müssen oder arbeiteten bei einem der staatlichen Weinproduzenten. Das Weinmachen war im Sozialismus weniger eine Sache des Könnens als Linientreue, was zur Folge hatte, dass ? so erinnert sich Ferenc mit einem abgeklärten Lachen ? alles andere als guter Wein aus den wunderbaren Rebflächen rund um Eger hergestellt wurde.

Ab Anfang der 1970er Jahre wurden kleine Teile reprivatisiert, quasi Hausgärten mit ein paar Weinstöcken für den Hausgebrauch. 1980 konnte sogar wieder zurück gekauft werden, zwar nicht privat, aber im Namen einer dafür gegründeten Gesellschaft ließ sich einigermaßen Rebfläche ansammeln. Ferenc erzählt es offen, dass er mit einem Freund zusammen zwölf Hektar gekauft hat, diese dann auf jeweils sechs Hektar aufgeteilt hat, um sinnvoll Wein auspflanzen zu können. Auf dem Papier bestand die Gesellschaft allerdings aus 20 Eigentümern. Diese eigentümliche Konstruktion bewährte sich 10 Jahre später, als sich der Kommunismus in die Geschichtsbücher verabschiedete. Die Felder der staatlichen Gesellschaft wurden anteilig an die Zahl der Mitglieder verkauft. Zugrunde lag der Aufteilung ein Schlüssel, Ferenc Tóth sagt es auf Ungarisch, nämlich ?Koronas?, mit denen die Qualität der jeweiligen Lage bei der Enteignung 1960 bewertet worden war.

Noch im Jahr 2000 war das Weingut Ferenc Tóth sechs Hektar groß gewesen. Mittlerweile sind es 20 ha., die nach und nach zugekauft wurden. Sie haben eine Vergrößerung des Betriebes erforderlich gemacht. Aus einer Röhre in der Kistályai út 40 in Eger sind es jüngst vier geworden, mit vier hübschen Kellerhäusern davor. Die Keller sind geräumig und schaffen Platz für die vielfältige Produktion, egal ob in den diversen Fässern oder in den Stahltanks.

www.egriborvar.hu

Weninger Pincészet

Das Weingut liegt im beschaulichen Dorf Balf am südlichen Ende des Neusiedler Sees. Der Ort ist klein und die Stille ist groß. Himmel, Erde und Wasser treffen sich hier und formen einen Teil der UNESCO Weltkulturerbe-Region.Veränderungen sind hier nicht immer erwünscht, nicht von den Menschen, noch von der Stille.  Hier, im Westen Ungarns, liegt die Weinbauregion Sopron: auf über 1.900 Hektar Rebfläche wächst vorwiegend Rotwein zwischen dem Neusiedlersee und dem Ödenburger Gebirge, wo pannonische und subalpine Landschaft aufeinander treffen. Die Ausläufer der Alpen bringen Kühle, der See speichert die Wärme und der Boden lässt auf sich bauen.
Franz Reinhard Weninger, geboren 1979, wuchs am elterlichen Weingut im Mittelburgenland auf. Wenige Kilometer entfernt vom See, nahe genug am Wein. In Horitschon erlernte er nicht nur das Handwerk des Weinmachens von seinem Vater, sondern fand damit auch seine große Leidenschaft.  Damit führt er ein Projekt seines Vaters weiter, der schon 1997 Weingärten im dem kleinen Ort, nahe der österreichischen Grenze, erworben hatte. Die Lagen Spern Steiner und Frettner zählen zu den besten Rieden Ungarns und werden seit Jahrhunderten bewirtschaftet. Auch diesmal mit Erfolg: Im Jahr 2006 setzte das Weinmagazin ?Borbarat? Franz Reinhard Weninger hierfür auf den 7. Platz unter den beliebtesten ungarischen Weingütern.
Der Umstieg auf eine bio-dynamische Arbeitsweise und der Bau eines neuen Kellers mit Verkostungsmöglichkeit helfen, auf diesem erfolgreichen Weg weiterzugehen.

www.weninger.com/sopronbalf 

Weingut Grof Degenfeld, Tokaji

Die Vergangenheit der deutsch-ungarischen Adelsfamilie Degenfeld führt in die frühmittelalterliche Schweiz, in Ungarn und in Siebenbürgen stoßen wir mit dem beginnenden 19. Jahrhundert auf ihre Spur. Mit ihren erstklassigen Gütern waren die Degenfelds bedeutende Akteure in der Geschichte der Tokajer Weinregion. Graf Imre Degenfeld war einer der einflussreichsten Tokajer Gutsherrn und nahm als Gründungsmitglied an den Aktivitäten des 1857 gegründeten Tokaj-Hegyaljaer Weinbauverbandes teil. Mit den Friedensvertrag von Trianon teilt sich die Familie in einen siebenbürgischen und einen ungarischen Zweig. Als Erbe der ungarischen Güter lebte Graf Sándor Degenfeld nach den beiden Weltkriegen zusammen mit Gräfin Ágnes Bethlen in Rumänien. Sein Vermögen wurde vom rumänischen und ungarischen Staat enteignet. 1964 wanderten die beiden nach Deutschland aus, wo sie eine neue Existenz gründeten. Ihre Tochter, Gräfin Marie Degenfeld, ist mit Dr. Thomas Lindner verheiratet; aus ihrer Ehe entstammen die Kinder Caroline und Moritz. 1994 beschlossen sie, im Gefolge der mehr als ein Jahrhundert umfassenden Tradition das Weingut wiederzubeleben. Um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, erwarben sie zunächst erstklassige Anbauflächen sowie einen alten Keller in Tarcal, einer Nachbargemeinde von Tokaj.
Die auf 100 Hektar verteilten Gutsflächen erstrecken sich auf dem Tarcaler Terézia-Hügel, in der Máder Lage Mézesmál sowie an der Grenze zur Gemeinde Mezőzombor und zählen mit zu den besten Anbauflächen der gesamten Tokajer Weinregion.Im Bereich der Bauinvestitionen wurde 1996 mit der Errichtung eines modernen Weinbaubetriebs nach Plänen des Architekten Ferenc Salamin begonnen. Im einstigen Kelterhaus über dem Keller wurden die Büroräume eingerichtet, in dem hieran angeschlossenen neuen Gebäudeteil erfolgen die Verarbeitung des Rebguts und der Ausbau der Weine.

Das erworbene Gebäudeensemble ist die 1872 auf kaiserlichen Befehl eingerichtete einstige Lehranstalt für Weinbau. Das einstmalige Schulgebäude beherbergt heute das Schlosshotel, im einst der praktischen Ausbildung dienenden Keller werden heute die Weine zur Reifung gelagert.

www.grofdegenfeld.hu 

Slowakai

Die Slowakei ist im internationalen Vergleich ein kleines Weinbauland. Die rund 25.000 Hektar befinden sich fast ausnahmslos an den Hängen der Tatra zur Donau im Süden hin. In der Slowakei finden sich Einflüsse aus allen benachbarten Weinbauländern, insbesondere aus Österreich und Ungarn, was sich nicht zuletzt bei den Rebsorten widerspiegelt. Riesling, Grüner Veltliner, Muskat Ottonel, Blaufränkisch und Kadarka sind die wichtigsten Vertreter, nur selten tritt etwas Regionales wie der Alibernet in den Vordergrund. Das soll der Qualität der Weine aber keinen Abbruch tun, in der Slowakei gibt es viele interessante Weine zu entdecken.